Fachabend

Wien, am 24. Oktober 2019

1. Fachabend des österreichischen Vereins akademischer Gesundheits Therapien war vom „ Feinsten “.

Eine kleine, aber sehr interessierte Gruppe von Zuhörern und TherapeutInnen und eine Trainerin mit großer Erfahrung und Engagement trafen sich im Loos Haus, Larochegasse 3, Sitz des ÖVAGT. Dem Programm folgend wurde von Frau Mag.art. Christina Holländer MA der Fachabend eröffnet.

Dabei wurde über die Schwierigkeit gesprochen, dass Thema „Demenz“ bei sehr alten, desorientierten, kranken  Menschen, gesellschaftlich aufzuarbeiten und zu „bewerben“. Das heisst  Mithelfer, Sponsoren und Mitglieder zu gewinnen.

Obwohl die Anzahl DEMENZ-kranker Menschen tendenziell ansteigend ist und es jetzt schon 130.000 alte, desorientierte, demente Menschen gibt, die in verschiedenster Weise auf Hilfe angewiesen sind, ist DEMENZ immer noch eine sehr verschwiegene, verdrängte Krankheit.

Tatsache ist aber, dass Gesundheits-Therapien regelmäßig angewandt, eine Demenzerkrankung über einen längeren Zeitraum stabil halten können. Sie können den erkrankten Menschen und den Angehörigen großes Leid ersparen.

Über Zitate der einzelnen Vorträge sollen die Themen des Fachabends lebendig und nachvollziehbar werden:

  1. Vortrag von Frau Gunvor Sramek Dipl. VTI, Valitationslehrerin, Master nach Naomi Feil sprach aus ihren Erfahrungen: „In den Schuhen des anderen gehen“.
    Wir durfften lebendige Erzählungen aus der Arbeit mit Valitation erleben. Hier Zitate aus dem Buch „Brücken in die Welt der Demenz“ von Gunvor Sramek und Petra Fercher (2018, 3. Auflage) „… die Welt des desorientierten, sehr alten Menschen erkennen, dessen intuitive Weisheit, die Bedeutung seines Verhaltens und seine menschlichen Bedürfnisse verstehen. Das Buch zeigt auch, wie man die hochaltrige Person dabei unterstützen kann, in ihrem eigenem Zuhause so unabhängig wie möglich zu bleiben; wie man die Bedeutung hinter Symbolen versteht, die der ältere Mensch benutzt, um die Vergangenheit wieder herzustellen und das Leben im Angesicht des Todes aufarbeiten zu können.“ (vgl. aus dem Geleitwort zum Buch von Naomi Feil)
    Ein kurzes Beispiel für ein selbstgewähltes Symbol: „Eine sehr alte Frau liegt im Bett, im Arm hält sie einen Wurstl mit einer dunkelblaue Zipfelmütze.Sie klemmt ihn ganz fest unter ihren Arm.
    Ich: Sie halten ihn ganz fest? Sie antwortet: ja das ist mein Toni, aber den richtigen Toni habe ich hier. Sie öffnet mühsam eine Schublade und kramt ein kleines vergilbtes Foto von einem jungen Soldaten heraus. Sie küsst das Foto und weint eine Weile still vor sich hin. Sie erzält mir dass er von Hinten erschossen wurde, und dass sie jetzt gar nicht weiß wo er ist. Ich berühre sie am Arm und sage dabei leise „Furchtbar“. Als sie sich etwas beruhigt hat, legt sie das Foto wieder auf den sicheren Platz. Sie nimmt jetzt wieder den Wurschtl und sagt: Deshalb hab ich den Toni hier, weil der ist immer bei mir, immer. Sie strahlt mich dabei an.“ (2018 Sramek)
  2. Vortrag von Frau Mag.a. Solveig Kelber, Meisterfloristin und akad. Expertin Gartentherapie und Frau Dipl. Ing. Bettina Strutzmann akad. Expertin Gartentherapie berichteten über das erste Projekt des österr. Vereins akad. Gesundheits Therapien: Gartentherapie auf der Palliativstation der Universitätsklinik des AKH Wien.Sie zitieren aus ihrer Arbeit am AKH: „Eine junge Frau band mit mir einen Blütenkranz für ihren Kopf. Sie wählte kleine Rosenköpfe aus und Rosmarin. Sehr fein und langsam band sie den Kranz, ich half beim Anlegen. Als sie mit ihrem Werkstück fertig war, macht sie ein Foto mit ihrem Handy und schickte es ihren Angehörigen. Sie machte einen entspannten und frohen Eindruck!““Mehrmals arbeitete ich mit einem Herren, der mir erzählte, er wäre Gärtner gewesen. Er hatte an sich selbst einen hohen Anspruch und hatte eine sehr genaue Vorstellung davon, wie er das Blumenherz gestalten wollte. Mehrmals schickte er mich zu meinen Materialien, damit ich ihm eine Blume bringe, die besser passen könnte. Als er schließlich zufrieden war, brachte ich seine Gestaltung unter seiner Anleitung an die Wand gegenüber seines Betts an. Ihm war es besonders wichtig, dass eine große Dahlien direkt zur Zimmertür blickte, um von den Besuchenden sofort wahrgenommen zu werden! Der Herr war am Umgang mit Messer und Gärtnerschere im Bett sichtlich begeistert!“ (Frau Kelber, im Okt.19)
  3. Vortrag von  Frau Mag.a. phil. Gabriela Neveril, Diplomierte GerAnimations® Trainerin berichtete wie sie sehr alte, desorientierte Menschen begleitet und bei behutsamer Aktivierung deren Biographie, Wissen und Kompetenzen in den Mittelpunkt stellt.
    „Mein Leitbild bei der behutsamen Aktivierung und Begleitung von sehr alten und desorientierten Menschen ist Aufmerksamkeit, Anerkennung und Wertschätzung entgegenzubringen und damit zu deren Lebensqualität und Wohlbefinden beizutragen. Der Fachabend war eine wundervolle Gelegenheit zum Austausch mit ExpertInnen und interessierten Menschen und zur eigenen Wissenserweiterung“. (Neveril, im Oktober 2019)