„Jetzt kann man’s drucken!“

Herr T., 78 Jahre alt, war von Beruf Grafiker

Was ist Kunsttherapie? 
Kunsttherapie ist eine therapeutische Disziplin, in der vorwiegend mit den Mitteln der bildenden Kunst gearbeitet wird. Etwa mit malerischen oder zeichnerischen Medien, plastisch- skulpturales Gestalten oder auch fotografischen oder musischen Medien. Kunsttherapie ist heute ein eigenständiges Therapieverfahren im sozial-präventiven, im klinisch-psychologischen und im psychotherapeutischen Bereich. (Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik)
 
Kunsttherapeutisches Arbeiten mit sehr alten, desorientierten Menschen: ist eine Chance für Rehabilitation oder eine vorübergehende Besserung.
„KT will den demenzkranken, aus dem Takt der Zeit und dem Raum herausgefallenen Menschen jenes Zeitfenster, jenen Ort zur Verfügung stellen, an dem er etwas wieder erkennen kann und mit den Gefühlen der früheren Jahre, die der Gedächtnisspeicher noch zu Verfügung hat, verbindet. (Menzen 2017, S. 144)
 

Die Förderung der Motorik und der Sinneswahrnehmung bei sehr alten Menschen macht sich die Basale Stimulation und die Heilpädagogische KT zur Aufgabe.

Dabei werden unterschiedliche Stoffe verwendet um den sehr alten, desorientierten Menschen über verschiedene Farb-, Textur-, Größen-, Gewichts-, Temperatur-,  Geruchs- und Konsistenzmerkmale zu sensibilisieren. Die Basale Stimulation ist als Angebot von individuellen Wahrnehmungserfahrungen zu verstehen. 
Das Realitäts-Orientierungs-Training (ROT) hat sich zur Aufgabe gesetzt Menschen wieder an ihre alltäglichen Leistungen heranzuführen.
Es bringt Hilfe sich besser im Alltag zu orientieren, den Tagesablauf zu regeln, die Wohn-Umwelt zu gestalten, das Pflege- und Hygieneverhalten zu standartisieren und insgesamt mehr Selbständigkeit zu trainieren. (vgl. Menzen 2008, S. 59)
Auch gemeinsames Singen, Geschichten vorlesen oder bekannte Reime vortragen, erinnert an früher und ist sehr beliebt und trainiert.
Mit Geruchs und Geschmacksproben zu arbeiten, ist sehr wichtig, da diese Vermögensleistungen als erste bei sehr alten Menschen verschwinden.
 
Es werden alte, vertraute Handlungsabläufe herangezogen um an ebenfalls vertraute Bewegungsmuster anzuknüpfen und diese zu festigen.
 
Willam Untermohlden, beschäftigt sich 2016 mit Demenzentwicklung und wie der kognitiv-neuronale und psychische Zerfall einsetzt der dann durch bildnerische Praxis durchaus noch eine Weile des Lebens stabilisiert werden kann.
 
„So betrachtet ist Kreativität der motivierte Lernvorgang jedes Menschen den sein Gehirn sich selbst mit der Auseinandersetzung mit der Welt verschafft. Die Art wie er es tut, ist in der Entwicklungsgeschichte der Art (Phylogenese) und des Individuums (Ontogenese) eingeprägt und einer neurologischen Betrachtungsweise aufgeschlossen“. (Schmidbauer 2004, S. 21)