Palliativstation im Allgemeinen Krankenhaus Wien

Das Ergebnis der qualitativen Studie, die ein halbes Jahr durchgeführt wurde, hat gezeigt:

Die meisten PatientInnen haben sich während der Therapie wohler gefühlt und waren glücklich über die Abwechslung. Etwas Grünes, frisch Duftendes, Blühendes zu betrachten, in den Händen zu halten kann enstpannen und von den Schmerzen ablenken. Es hat sich gezeigt, dass die Gespräche zwischen PatientInnen und ihren Angehörigen über Themen der Natur sich positiv auswirken können.
 
Anschließend an die Studie wurde seit April 2019 Gartentherapie auf der Palliativstation durchgeführt: 
Frau Mag.art. Solveig Kelber Meisterfloristin u. akad. Expertin Gartentherapie und Frau Dipl.Ing. Bettina Strutzmann akad. Expertin Gartentherapie konnten zur Freude der PatientInnen, Angehörigen und des Pflegepersonals für gute Stimmung und Abwechslung im Klinikalltag sorgen.
Nicht nur die Tätigkeit mit den Pflanzen sondern auch die dadurch entstandenen Gespräche über Erinnerungen bringen grosse Freude, Hoffnung und Abwechslung in die Krankenzimmer. Die in der Station verbleibenden Gestecke erfreuen jeden Tag aufs Neue.

Die Gartentherapeutin erzählt:

Die Blumen fürs AKH kaufe ich je nach Saison. Mir ist es wichtig, die Düfte und Farben der jeweiligen Jahreszeit einzufangen und diese pflanzlichen Materialien den Patientinnen und Patienten zur Verfügung zu stellen. Ich breite auf der Tischdecke im Besprechungsraum alles aus, was ich vorbereitet habe. Manchmal werden bereits dabei Angehörige oder Patientinnen neugierig, die im Gemeinschaftsflur sitzen. Grundsätzlich freue ich mich über alle, die mich besuchen und mitarbeiten. Oft geschieht das nacheinander, einzeln oder in kleinen Gruppen. Während der zwei Stunden gehe ich in alle Zimmer der Station und biete kleine floristische Tätigkeiten an. Es kommt oft vor, dass ich am Bett sitze und mit jemand zusammen Kränze binde, Blumen fädele, einen Strauß in einer Vase herrichte. Manchmal möchte dann die Bettnachbarin mitmachen, obwohl sie zuvor skeptisch war. Auch das Pflegepersonal kommt vorbei, freut sich über den guten Duft im Zimmer, bewundert die Werkstücke und alle kommen miteinander ins Gespräch. Gartentherapie bietet an, etwas zu gestalten, etwas mit den Händen zu tun, die Sinne einzusetzen, da zu sein, Schönheit zu erleben. Daraus ergeben sich viele Kontakte und Begegnungen, die wohltuend wirken und Halt geben können.

Heute habe ich mit zwei Damen gearbeitet, die ich bereits kannte. Eine ältere Patientin, die mir bis jetzt erklärt hatte, sie könne zu schlecht sehen und gar nicht mehr die Hände bewegen, ist sehr aktiv geworden. Sie hat mit mir eine Kette aus Ringelblumen gefädelt. Dann hat sie noch ein kleines Gesteck gemacht und das sehr konzentriert und präzise. Die Bettnachbarin hat das sehr fasziniert und wir kamen zu dritt ins Gespräch. Schließlich habe ich auch mit ihr Sonnenblumen in einer Vase arrangiert. Als ich mich verabschiedet habe, waren beide sehr fröhlich und haben mir gewunken.

Ich hatte bei der Gartentherapie heute das erste Mal auch Kinder zu Besuch. Ihre Tante lag im Sterben, die Mutter war sehr lange bei im Zimmer und bat mich, mit ihren Jungs währenddessen etwas zu gestalten. Beide haben kleine Gestecke aus Sonnenblumen angefertigt und waren sehr begeistert von den Blumen. Es schien, als würden sie, für eine halbe Stunde die Trauer um sie herum vergessen und neue Kraft schöpfen. Auch die Mutter hat später noch ein großes Gesteck für den Gemeinschaftsraum gestaltet.

Solveig Kelber, Wien